Mara Stone

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Wer kann mir helfen?

Wir sprechen mit Mara Stone vom Jugendnotdienst. Der Jugend-, Kinder und Mädchennotdienst ist rund um die Uhr erreichbar und leistet in Krisensituationen Hilfe für alle Berliner Bezirke.
Kindernotdienst: 030 - 61 00 61
Jugendnotdienst: 030 - 61 00 62
Mädchennotdienst: 030 - 61 00 63
www.jugendnotdienst-berlin.de

Hilfe holen ist nicht schwer: Einfach telefonieren 1
Melanie ruft beim Jugendnotdienst an | » zum Anruf

Hilfe holen ist nicht schwer: Einfach telefonieren 2
Nathan ruft beim Kindernotdienst an | » zum Anruf

Wo du Hilfe bekommst

Wie kommen Jugendliche, die Hilfe brauchen, auf den Jugendnotdienst?

Wer bei uns anruft oder vorbeikommt, hat meistens schon Anderes probiert. Sie haben sich mit Freunden und Freundinnen beraten, haben sich an ihre Lehrer gewandt oder an ihre getrennt lebenden Elternteile und um Unterstützung gebeten. Auf uns kommen sie auf Anraten Anderer oder weil sie im Internet über unserer Adresse stolpern. Aber vor allem ist es Mund zu Mund Propaganda, die sie zu uns führt.

Finden Sie es falsch, sich mit Freunden oder Verwandten zu besprechen?

Auf keinen Fall. Menschen, die einen gut kennen, können eine gute Unterstützung sein. Beim Reden wird klar, wie es einem geht und mit Hilfe Anderer kann man einordnen, ob das Problem klein oder groß ist, ob eine Veränderung sofort geschehen muss oder Zeit hat. Das kann eine wichtige Vorstufe zur eigentlichen Veränderung sein. Es gibt aber Menschen, die sich gerade vor Freunden und vor der Familie schämen über Probleme zu reden. Die kommen oft gleich besser mit professionellen Helfern klar.

Heißt das, jeder braucht eine andere Form der Hilfe?

Im Grunde ja. Die Menschen sind verschieden. Kein Jugendlicher ist wie der andere. Einer kann gut reden, ein anderer tut sich schwer die richtigen Worte zu finden. Einer schämt sich, dass er geschlagen wird. Einen anderen macht das wütend und aggressiv. Ein Mädchen findet anrufen peinlich und kommt lieber vorbei. Ein anderes ruft tausend mal lieber an und braucht viel Ermutigung, um den Weg in den Notdienst zu finden.

Gibt es also gar nicht den einen richtigen Weg, sich Rat und Unterstützung zu holen?

Nein, jede und jeder hat ein eigenes Tempo, ein eigene Schmerzgrenze, mehr oder weniger Mut usw. Was ich für alle gleich wichtig finde, ist dass sie wissen, dass es Hilfe gibt und dass es in Ordnung ist, Zeit zu brauchen, ehe man so weit ist, sich helfen zu lassen.

Gibt es Kinder oder Jugendliche, denen es besonders schwer fällt, sich Hilfe zu holen?

Weißt du, wer kein gutes Selbstbewusstsein hat, traut sich nicht so leicht, sich an andere zu wenden. Da können Freunde, die einen zur Beratung begleiten, eine gute Unterstützung sein. Es gibt auch Kinder und Jugendliche, die eine Behinderung haben, die es ihnen noch schwerer als anderen macht, sich mitzuteilen, z. B. wenn sie nicht hören und sprechen können.

Und es gibt viele, die sind hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Gefühlen, die sie haben. Denen fällt es nicht leicht zu entscheiden, was zu tun ist. Viele lieben ihre Familie trotz all dem Schrecklichen, was ihnen passiert und geraten in einen Loyalitätskonflikt.

Und die finden auch die Hilfe?

Meist durch die Unterstützung Anderer, die sie ermutigen und wenn nötig auch begleiten.

Fällt es Kindern und Jugendlichen eigentlich schwer, von ihren Problemen zu erzählen?

Damit sich jemand an eine offizielle Stelle wie den Jugendnotdienst wendet, muss der Druck etwas ändern zu wollen schon recht groß sein und die Einsicht da sein, dass es nicht mehr alleine zu schaffen ist. Wenn sie erleben, dass ihnen zugehört wird und dass sie ernst genommen werden, öffnen sie sich. Die meisten erleben es als Erleichterung, in einem geschützten Rahmen offen über Gefühle und Erlebnisse reden zu können.

Kann man sagen, für welchen Teil der Hilfe Freunde, für welchen Teil Verwandte und wann Profis gut sind?

Ich finde, es ist wichtig zu erkennen, mit wem ich „nur“ gut reden kann und wer mir hilft auch zu handeln.

Danke für das Interview.

Sehr gerne.